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Lernwerkstatt SPIEL

Lernwerkstatt SPIEL – Das Konzept

Lernwerkstattarbeit als pädagogisches Setting und Lernwerkstätten als eingerichtete Räume ermöglichen es, in Auseinandersetzung mit Materialien entdeckend und im Dialog mit Lernbegleitung eigenen Fragen und Forschungen nachzugehen. Im Campus Brugg-Windisch stehen die Räumlichkeiten der Lernwerkstatt SPIEL den Studierenden und Dozierenden des Studiengangs Kindergarten und Unterstufe sowie in Öffnungszeiten und durch Weiterbildungen interessierten Lehrpersonen und Gästen offen.

Der schillernde Begriff des Spiels ist verbunden mit dem Begriff Freiheit, aber auch mit Regeln, mit Ästhetik wie mit Lernen, mit Bildung und Lust, Ritual und Kultur. In der Lernwerkstatt SPIEL wird gezeigt, dass diese Begriffe zusammengehören. Angesiedelt in der Ausbildung für angehende Lehrpersonen vom Kindergarten bis zur Primarstufe, stehen hier Lehre und Forschung zum Spiel, eigene Entdeckung und Erfahrung, eigene Fragen und Dialog, Reflexion, Mitgestaltung und nicht zuletzt die Lust beim „heiligen“ Ernst des Spiels (Huizinga) im Fokus. Auch weit über die Zielstufen hinaus ist das Spiel im Licht seiner gesellschaftlichen und kulturellen Bedeutung zu betrachten.

Das Spiel in pädagogischer Perspektive

Nach grundlegenden Arbeiten zur Bedeutung des Spiels für das Lernen (u.a. durch Fröbel und Vygotsky) wurde in den letzten Jahren die Bedeutung des Spiels für Bildungsprozesse junger Kinder neu entdeckt. Im Spiel verbinden sich Dimensionen wie gemeinschaftliche Abstimmung, strategisches Denken, Phantasie und Kreativität. Die Einübung wichtiger Werkzeuge zur Erschliessung und Konstruktion der Welt wird im Spiel intrinsisch und lustvoll motiviert: Experimentelle Neugier, komplexes kontrafaktisches Denken und ein Bewusstsein der eigenen und der Perspektive des anderen, soziale, Sach- und Selbstkompetenzen. Im Spiel werden Herausforderungen auf verschiedensten Ebenen erzeugt, die zugleich auch als erreichbar wahrgenommen werden – ein optimales Erlebnis-, Denk- und Lernklima, welches auch das Erlernen der Selbststeuerung unterstützt.

Das im Spiel angelegte Bewusstsein für eigens und gemeinsam erzeugte Wirklichkeit hat weitreichende Bedeutung für Bildungsprozesse. Sogar wissenschaftspropädeutische Prozesse zeigen sich beim spielerischen Umgang mit gedanklichen Modellen. Im Spiel erforschen und erschaffen, verhandeln, verändern und ko-konstruieren die Spielenden gemeinsam die Welt und erproben ihre Rolle darin. Spielen stellt damit selbst eine grundlegende Kulturtechnik und mithin die Basis gesellschaftlicher Teilhabe dar. Deshalb stehen in der Lernwerkstatt SPIEL die Möglichkeiten der Spielförderung und Spielbegleitung, mithin: des pädagogischen Handelns im Kontext des Spiels, im Zentrum.

Verortung in der Schullandschaft

Aktuellen Tendenzen der Verschulung des Kindergartens wird in der Lernwerkstatt SPIEL entgegengewirkt, indem die Bedeutung des Spiels für diese Stufe hervorgehoben und Lehrpersonen für pädagogisches Handeln im Kontext des Spiels vertieft qualifiziert werden. In der Lernwerkstatt SPIEL wird das Potenzial spielerischer sozialer Formen und spielerischer Eigentätigkeit zugleich für die Primarstufe betrachtet und dabei Wege der selbstgesteuerten und gemeinschaftlichen Erforschung der Welt auch für diese Stufe beleuchtet. Auch im Lehrplan 21 wird das Spiel im gesamten ersten Zyklus verstärkt anerkannt. Das eigene praktische Ausprobieren von Formen der Lernwerkstattarbeit ermöglicht es (angehenden) Lehrpersonen, Kinder bei Spiel, freier Tätigkeit, Projektarbeit und anderen erfahrungs- und interaktionsbasierten Lernformen zwischen Konstruktion und Instruktion besser unterstützen zu können.

Lernformen werden hierbei auch als Praxisformen im Spannungsfeld verschiedener Kulturen des Kindergartens und der Primarschule verstanden, wobei gerade das Spiel als Medium des Lernens einerseits und als Form kulturellen Eigenwerts andererseits das Potenzial hat, Spannungen zwischen den Kulturen des Kindergartens und der Primarstufe im Übergang produktiv zu machen. Nicht zuletzt wird in der Ausbildung das Spiel in seiner gesellschaftlichen Positionierung zwischen Familie, Peer-Kultur und Kindergarten/Schule betrachtet und auf die unterschiedlichen institutionellen Schulkulturen in Kindergarten und Primarstufe vorbereitet. Nicht zuletzt können im Übergang zwischen der Alltagswelt der Kinder und den Bildungsinstitutionen kulturelle Ressourcen der Peers und des Spiels genutzt werden.

In der Aus- und Weiterbildung wird das Spiel nicht nur in der traditionellen Rahmung als Schutzraum für kindliche Aktivitäten betrachtet, sondern vor allem in seiner Funktion für die Entwicklung der Fähigkeiten zur Erschliessung der Welt. Um dieses Potenzial für Kinder im Kindergarten- und Primarschulalter voll zu entfalten, wird die Mittelposition des Spiels zwischen Instruktion und Ko-Konstruktion beim Lernen beleuchtet.

Zugänge

Verschiedene Bereiche werden in den Räumlichkeiten der Lernwerkstatt SPIEL angeboten: Eine Präsenzbibliothek zum Themenbereich Spiel, eine von StudentInnen mitentwickelte Werkstatt mit Posten zu verschiedenen Themen, ein Bereich für Naturmaterialien, für das Experimentieren, Messen und Werken, ein Bereich für Bewegungsspielmaterialien, für klassisches wie innovatives Spielmaterial, ein Bereich für Videogames sowie eine MATHElino – Ecke und Spiele mit Elementen zur Förderung von sprachlicher Entwicklung. Die Spielformen Konstruktions-, Rollen- und Regelspiel finden sich ebenfalls in Bereichen wieder. Eine klare Raumstruktur mit zwei funktional unterschiedenen Räumen gibt zudem Orientierung: Ein Bewegungsraum mit vielen mobilen Elementen und Freiraum sowie ein Raum mit höhenverstellbaren und beweglichen Tischen und Stühlen. Diese lassen sich je nach Zweck, Gruppe und Seminarform kurzfristig umgestalten. Die Materialien regen vielfältig an und fordern zum Handeln heraus. Die Raumgestaltung informiert, erleichtert Kommunikation, bleibt mit beweglichem Mobiliar für verschiedene Gruppen variabel nutzbar und bietet Möglichkeiten der stillen Reflexion.

Die Räumlichkeiten und das vom Personal immer wieder aktualisierte Material gibt den Studierenden die Möglichkeit, Fragestellungen im Bereich Spiel und Bildung zu verfolgen und in einer besonderen Lernumgebung zu verankern. Durch die Auseinandersetzung mit ansprechenden und vielfältig nutzbaren Materialien kann entdeckend gelernt werden – es entstehen Fragen, die nachhaltige Lern- und Forschungserfahrungen ermöglichen. Die Begleitung nimmt die entstehenden Fragen auf und unterstützt den so beginnenden Forschungsprozess, welcher in Seminarkontexten in einen wissenschaftlichen Diskurs eingebettet wird. Bei Kindern, Studierenden sowie bei Lehrpersonen in Weiterbildung können so Forschungsbewegungen in der Lernwerkstatt initiiert und unterstützt werden.

Seminargruppen und einzelne Studierende sind aufgefordert, bei der Gestaltung des Raums mitzubestimmen und mitzuwirken: durch Ausstellungen, Posten, selbst geschaffenes Spielmaterial usw. treten die Studierenden in der Lernwerkstatt SPIEL in Erscheinung – Spuren der eigenen Aktivität machen den Lernort bedeutsam.

Es bestehen Kooperationen mit den Fachdidaktiken hinsichtlich der Angebote – u.a. MatheLINO – Materialien in der Lernwerkstatt, Ausstellungen, Spielangebot zum Sachthema Konstruieren der Vergangenheit mit Lego etc.

In der Lernwerkstatt SPIEL werden zur Professionalisierung von Lehrpersonen Grundkenntnisse zum Thema Spiel und Bildung im Grundstudium vermittelt und Vertiefungsseminare im Hauptstudium für angehende Lehrpersonen angeboten. Hierbei werden die Bedeutung des Spiels sowie verwandter Interaktionsformen für Bildungsprozesse von Kindergarten- und Primarschulkindern im Kontext der kulturellen und gesellschaftlichen Bedeutung des Spiels beleuchtet. Die im Spiel begründeten Potenziale zur Förderung von kognitiven, motorischen, fachlichen, überfachlichen, transversalen, sozialen und Selbst-Kompetenzen werden herausgearbeitet. Spielbewusste Vorbereitung, wissenschaftlich begründete Beobachtung, empathische Interaktion und Unterstützung während des Spiels sowie nachträgliche Reflexion zu Explorationsphasen, Bewegungsaspekten, Konstruktions- und Rollenspielen, zu Regel- und Brettspielen und nicht zuletzt auch hinsichtlich digitaler Games werden thematisiert. Über die Auseinandersetzung mit Kriterien für gutes Spiel wird zudem das kritische Bewusstsein geschärft. Zugleich wird pädagogisches Handeln im Kontext Spiel immer auch die Interessen des Kindes zum Ausgangspunkt nehmen. Spielbegleitung erfordert eine hohe Aufmerksamkeit und ein spezifisches Verständnis für die internen Logiken des Spielgeschehens, und nicht zuletzt ist die Förderung der eigenen Spielkompetenz auf Seiten der Lehrperson erforderlich, um für die Entwicklung der Kinder förderliche Impulse zu ermöglichen.

Die Seminare der Lernwerkstatt SPIEL nutzen u.a. Formen der Projekt-/Lernwerkstattarbeit, wobei eigene Forschungsfragen verfolgt werden. Die Übergänge und Unterschiede von forschendem und entdeckendem sowie spielerischem Lernen sowohl beim Spiel der Kinder als auch im Seminarprozess der Studierenden werden didaktisch eingesetzt. Verschiedene und sich entwickelnde Schwerpunkte der Seminare bieten Auswahlmöglichkeiten für die Studierenden: Das Seminarprojekt „SPIEL mit!“ an lokalen Schulen, Spiel und Inklusion, Spiele gestalten und reflektieren, internationale Kooperation mit einem Seminar in Südafrika, eine empirische Studie zu Interaktion und pädagogischer Begleitung im Rollenspiel, Kinderspiele begleiten und beobachten in der Lernwerkstatt, Konsum & Kultur im Bereich Kindergaren und Primarschule, Spiellernumgebungen gestalten usw. ...

In Zeiten der freien Nutzung (regelmässige Öffnungszeiten im Semester) können die Materialien und Spiele, Werkstattposten und die Präsenzbibliothek genutzt werden. In den offenen Zeiten werden die Studierenden zudem vom Personal bei Forschungs- und Abschlussarbeiten sowie Projekten im Bereich Spiel und Bildung unterstützt.

Neben den Studierenden steht die Lernwerkstatt SPIEL anderen kooperierenden Dozierenden, die dort Veranstaltungen in anregungsreichen Räumen abhalten können, sowie in Öffnungszeiten auch Lehrpersonen zur Verfügung.

Die Lernwerkstatt SPIEL bietet auch Weiterbildungen an – derzeit zum pädagogischen Handeln im Bereich Rollenspiel sowie zu sinnvollen Formen des Begleitens von Tobe- und Raufspielen (Rough and Tumble Play), zum Freispiel sowie zur sinnvollen Nutzung von Tablet-Games.

Räume und Ausstattung der Lernwerkstatt SPIEL

Raum 1: „Bewegungsraum“

Raum 1 - Lernwerkstatt Spiel

Bewegungsspiele, mobile Elemente, digitale Spiele, Klassensätze.

Raum 2: „Spielraum“

Raum 2 - Lernwerkstatt Spiel


Klassisches und neues Spielmaterial, Konstruktions- und Brettspiele, Rollenspiel-Material, Werkstattposten, naturnahe Materialien, Mediothek zu Spiel und Bildung, von Studierenden selbst gestaltete Spiele, Materialien zum Messen, Untersuchen und Experimentieren, hochschuldidaktisches Material, Material zum Spiele entwickeln, MATHElino-Material, Spiele zur Unterstützung von Sprache.

Neben der eigenen Forschung (siehe auch Publikationen) und der Lehre (siehe auch Seminare), engagieren sich die Mitarbeitenden der Lernwerkstatt SPIEL zudem in der internationalen Community der Hochschullernwerkstätten (siehe http://lernwerkstatt.info/NeHle), die sich dem entdeckenden und forschenden Lernen von Kindern und Studierenden widmet.

Literaturhinweise & Quellen: siehe jeweils in den Veröffentlichungen der Lernwerkstatt SPIEL

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